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Laudatio auf
Prof. Dr. Paul H. Brunner

 

Ein Freitag im November. Nebel, Nieselregen. 19.30 Uhr, ich sitze im Büro, endlich Ruhe, endlich Zeit zum Aufarbeiten, zum Nachdenken.

 

Plötzlich läutet das Telefon.
„Guten Tag. Hier Brunner, sie haben bei mir angerufen, oder?“

 

Welcher Universitätsprofessor sitzt an einem Freitag Abend in seinem Institut und arbeitet alle unbeantworteten und auch unbekannten Telefonanrufe ab?
Paul Brunner.

 

Die Geschichte zeigt die beiden Eigenschaften, die für mich den Menschen Paul Brunner ausmachen: seine Arbeitsdisziplin und die uneingeschränkte Achtung, die er seinem Gegenüber entgegenbringt.

 

Im Brotberuf ist Paul Brunner Vorstand des Instituts für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft an der Technischen Universisität Wien. Dieses Amt hat er seit 1991 inne. Damals schon bestand er darauf, dem neu gegründeten Institut den Namen „Abfallwirtschaft und Stoffhaushalt“ zu geben.

 

Sein „Alleinstellungsmerkmal“ als Universitätsprofessor sind die so genannten Montagsseminare. Diese sind öffentlich und für jedermann ohne Anmeldung zugänglich. Sie laufen unter dem Titel “Neues aus Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft”. Studenten, Forschende, Professorenkollegen, Manager von Recycling-Unternehmen, hohe Beamte und manchmal sogar besessene Weltverbesserer können in diesem Rahmen über Neues aus ihrer Arbeit berichten: ob Deponierückbau oder die Abfallwirtschaft in Mali aus Soziologensicht – immer geht es darum den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus aufzuzeigen. Eine echte Bereicherung.

 

Die Seminare beginnen jeweils um 13.00 Uhr – um Punkt 13.00 Uhr um präzise zu sein. Paul Brunner ist Schweizer.

 

Er wurde 1946 in Zürich in eine gut bürgerliche Familie geboren. Der Vater war Leiter einer großen Versicherung und der Sohn wollte Automechaniker werden. Später, als er als Wissenschafter in den USA arbeitete, kam er seinem jugendlichen Berufswunsch gefährlich nahe: in seiner Freizeit belegte er den Kurs „How to repair your own car“. Noch heute, meint er, ziehe er – privat - „urban repair“ dem „urban mining“ vor.

 

1966 begann er an der ETH Zürich sein Studium der Naturwissenschaften mit Schwerpunkt Chemie, Zoologie und Botanik. Es folgte ein Studienaufenthalt an der Standford University in Kalifornien, wo er sein Wissen im Bereich der Techniken der Naturwissenschaften erweiterte.

 

Ja, und seit damals ist der Wissenschafter Paul Brunner Kosmopolit. Seine berufliche Laufbahn begann er bei der WHO in der Schweiz. Es folgte ein Lehrauftrag in Stanford, um dann für neun Jahre an der ETH Zürich zu lehren. Er bezeichnet diese Jahre als die spannendsten in seinem Leben als Wissenschafter. Er und Peter Baccini waren damals die „Jungen Wilden“.

 

Paul Brunner liebt das Neue und die Herausforderung: so übernimmt er regelmäßig Gastprofessuren an anderen Universitäten, zum Beispiel in Helsinki und Novi Sad in Serbien.

 

Sein über Jahrzehnte erarbeitetes Expertenwissen bringt er in vielen lokalen und internationalen wissenschaftlichen Beiräten ein. Und genauso international ist auch seine Tätigkeit als Mitherausgeber von Fachzeitschriften und als wissenschaftlicher Berater von Regierungs- und Nicht-Regierungsorganisationen.

 

 

Und so sieht es aus, wenn Paul Brunner die Welt in Sachen Abfallwirtschaft und Ressourcenmanagement berät. Jeder rote Punkt steht für eine Funktion. Es sind 20 rote Punkte auf vier Kontinenten.

 

Wir haben den Menschen, den Professor, den Wissenschafter und den Experten Paul Brunner kennengelernt.
Es ist aber der Autor Paul Brunner und da vor allem seine letzte Publikation, die ihn zum Urban Mining Award-Preisträger macht.
Er und Peter Baccini haben 1991 das Buch „Metabolism of the Anthropsphere“ veröffentlicht. Die renommierte MIT-Press hat es im Jahre 2012 in einer überarbeiteten Ausgabe neu aufgelegt.

 

 

Zur Klarstellung: hierbei handelt es sich nicht um versteckte Werbung, allerdings verlangt dieser Titel schlicht und einfach eine Visualisierung.

 

Erinnern wir uns, 1991, das ist die Zeit, in der Abfälle noch in Senken gekippt werden. Es ist der Beginn der Müllbehandlung. Es ist die Zeit, in der es undenkbar ist das Wort Ressource mit dem Wort Abfall in Verbindung zu bringen.

 

In der Zeit sprechen Brunner und Baccini von „Metabolism“ und meinen die Gesamtheit des Stoffwechsels unserer Erde. Das heißt: feste Stoffe, Flüssigkeiten, Gase, Pflanzen, Tiere und Menschen und deren Wechselwirkungen untereinander.

 

In der Zeit etablieren Brunner und Baccini den Begriff „Anthroposphere“ und meinen die Gesamtheit der vom Menschen gestalteten Umwelt.

 

In der Zeit definieren Brunner und Baccini die Ressourcenverbraucher völlig neu. Sie fassen sie in die Kategorien Ernährung, Transport, Kommunikation und Reinigung zusammen.

 

Dieser Weitblick, gepaart mit dieser Hartnäckigkeit, auch nach über 20 Jahren an diesem Buchtitel festzuhalten – das sind dann die Zutaten für einen großen Preisträger im Bereich Wissenschaft und Forschung.

 

Herzlichen Glückwunsch an Paul Brunner.

 

Brigitte Kranner-Habich
Altmetalle Kranner

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