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Peter Kurth, Präsident des BDE

Der URBAN MINING Award 2011

 

Laudatio auf
Prof. Dr. Klaus Töpfer

 

Als ich zu Jahresbeginn gebeten wurde hier und heute die Laudatio anlässlich der erstmaligen Verleihung des Urban Mining Awards zu halten, war die Welt noch um eine große Naturkatastrophe ärmer. Und der Mann, der in wenigen Minuten den Urban Mining Award erhält, hatte auch ohne die politischen Folgen des Seebebens vor Japan und des damit einhergehenden Reaktorunglücks von Fukushima vielfältige Verpflichtungen und einen randvollen Terminkalender. Ungeachtet dessen, dass er - rein altersmäßig - inzwischen berechtigt wäre, den einen oder anderen Gang herunter zu schalten. Doch nach beruflicher Entschleunigung stand Herrn Prof. Klaus Töpfer noch nie der Sinn. Deshalb verwundert es auch nicht, dass Klaus Töpfer im März dieses Jahres der Bitte von Bundeskanzlerin Merkel folgte und den Chefposten im deutschen Energie-Ethikrat übernahm, der einen Ausweg aus der Atomkraft finden soll. Dieses Amt bekleidet der parallel zu anderen wichtigen Jobs. An dieser Stelle seien nur einige erwähnt: Klaus Töpfer ist Direktor des Potsdamer Instituts für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit. Er fungiert als Vizepräsident der Welthungerhilfe, berät die Solarindustrie-Initiative "Desertec" und ist vielbeschäftigter Honorarprofessor. Auch wenn das Thema unserer heutigen Veranstaltung auf den ersten Blick wenig mit Ihrer neuen Tätigkeit an der Spitze der Ethikkommission zur Zukunft der Atomkraft zu tun hat - es besteht durchaus ein Zusammenhang, den Sie - jüngst vom Magazin SPIEGEL als "globaler Elder Statesman für Umweltfragen" geadelt, indirekt bereits beschrieben haben: "Die Reaktorkatastrophe ist ein desaströser Anlass, doch zugleich auch eine Chance, von einem Pfad abzukommen, der Kollaps, Katastrophen und Kriege heraufbeschwört." Im Kern geht es doch nach der japanischen Tragödie mehr denn je darum, ein qualitativ neues Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt, zwischen Verbrauchern und den vorhandenen Ressourcen zu finden.

 

Ressourceneffizienz, Wiederverwertung, Kreislaufwirtschaft und Urban Mining sind wichtige Begriffe, die im Fokus unserer Branche, der Entsorgungs- und Rohstoffwirtschaft, stehen. Dass das so ist, daran haben Sie, lieber Prof. Töpfer, einen großen Anteil. Sie waren der zweite Bundesumweltminister. Ihre Berufung erfolgte ein Jahr nach dem ersten atomaren Super-Gau, 1987. Sie haben dafür gesorgt, dass wenige Monate nach der Herstellung der deutschen Einheit ein erstes wichtiges Projekt in der gesamtdeutschen Entsorgungswirtschaft angegangen wurde - die Mülltrennung. Am 8. Mai 1991 verabschiedete die Bundesregierung die von Ihnen initiierte Verpackungsverordnung. Bayerns damaliger Umweltminister Peter Gauweiler (CSU) kanzelte diesen Vorstoß als "Schnapsidee" ab. Dennoch entpuppte sich die Verordnung als richtige politische Weichenstellung, die den Weg Deutschlands hin zum "Recycling-Weltmeister" geebnet hat. Grüner Punkt und gelber Sack sind heute Begriffe, mit denen jeder Deutsche etwas anfangen kann. Sie haben mit Ihrem Wirken als Bundesumweltminister die endgültige Abkehr von der Wegwerfgesellschaft eingeleitet und maßgeblich das Umweltbewusstsein der deutschen Verbraucher geprägt. Und sie haben erstmals Industrie und Handel für den auf den Markt gebrachten Verpackungsmüll in Haftung genommen. Das Zauberwort, das wir heute vor der flächendeckenden Einführung der Wertstofftonne weiter konjugieren müssen, heißt Produktverantwortung. Die Produktverantwortung ist die Kombination von wirtschaftlicher Tätigkeit mit ökologischen Zielsetzungen - Sie haben also schon vor 20 Jahren einen Grundstein für die "green economy" gelegt. Heute ist dieses Thema hochaktuell - auch wenn viele über "green economy" reden und tatsächlich aber "green administration" meinen - gerade vor dem Hintergrund der Debatten über das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz. Der damit einher gehende Versuch, die Verantwortung für die Wertstoffsammlung auf die Kommunen rück zu übertragen hat, ist auch vom Denkansatz ein Rückschritt, der mit "green economy" nichts zu tun hat. Sie, verehrter Herr Prof. Töpfer, würden über diese Entwicklung nur den Kopf schütteln. Sie sind jedoch nicht nur der Vater von Verpackungsverordnung und Produktverantwortung, auch andere Selbstverständlichkeiten der Gegenwart wurden in Ihrer Amtszeit als Bundesumweltminister geschaffen: Dioxin-Grenzwerte, Schutz der Ozonschicht und das Kreislaufwirtschaftsgesetz. Das bekannteste Fotomotiv aus jenen Jahren war ein Klaus Töpfer im schwarzen Neopren-Anzug, der gerade Rhein durchschwommen hatte. Noch nicht ganz geklärt ist, was hinter dieser Aktion steckte - wollten Sie die wiederhergestellte Sauberkeit des Rheins demonstrieren oder war es der Tribut für eine verlorene Wahlkampfwette? Das geht aus den Archiven nicht eindeutig hervor. Spektakulär war es jedoch allemal. In jedem Fall haben Sie es geschafft, das noch junge Amt des Umweltministers derart zu prägen und aufzuwerten, dass sich dieser Job später als exzellentes Sprungbrett für höhere und höchste Weihen entwickelt hat. Ihre direkte Nachfolgerin Angela Merkel ist heute Bundeskanzlerin, der Grüne Trittin ist Fraktionschef und der Sozialdemokrat Gabriel steht an der Spitze der SPD.

 

Persönlich kennengelernt haben wir beide uns, als Sie Bundesbauminister und zugleich Umzugsbeauftragter der Bundesregierung waren. Es gab seinerzeit viele Bedenkenträger und Bremser, die lieber im beschaulichen Bonn geblieben wären. Aber Sie haben mit Ihrer Person Dynamik in den bis dato schleppenden Umzug Richtung Berlin gebracht. Ich kann an dieser Stelle nicht all die wichtigen und interessanten Stationen aufzählen, die Sie - vor nunmehr 72 Jahren im schlesischen Waldenburg geboren - inzwischen absolviert haben. Sie sind Ehrendoktor an zig Hochschulen, haben eine Ehrenprofessur der Tongji-Universität Shanghai, sie sind Träger unzähliger hoher Auszeichnungen, die Ihnen in Deutschland und Europa verliehen wurden. Als Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen in Nairobi haben Sie sich zwischen 1998 und 2006 weltweite Anerkennung erworben. Bleibt die Frage, ob es etwas gab, was Sie im Laufe Ihrer Karriere nicht gemacht haben. Nach längerer Recherche bin ich nur auf eine Position gestoßen: Sie waren nie Ministerpräsident eines Bundeslandes. Aber auch nur, weil Sie ein solches Amt nicht angestrebt haben.

 

Lassen Sie mich zum Ende meiner Ausführungen die FAZ zitieren, die Ihr Wirken und Ihre Wirkung sehr treffend beschrieben hat: "Nicht nur mit seiner Fitness und geistigen Frische ist der Mann ein Phänomen. Außergewöhnlich ist er auch in politischer Hinsicht. Töpfer widerlegt die These, dass die Halbwertzeit ehemaliger Politiker sehr kurz ist. Viele Minister aus der Kohl-Ära sind vergessen, ihre Namen aus den Gazetten verschwunden. Doch Töpfer ist ein Nachhaltiger, ihn kennt selbst die Generation 30, obwohl die in seiner aktiven Zeit fast noch in den Windeln lag. Seine Themen haben Konjunktur. Geht es um Umweltoder Klimaschutz, um Atomkraft oder erneuerbare Energien, dann ist Töpfer zu Stelle." Ich ergänze an dieser Stelle: Klaus Töpfer war in den letzten 25 Jahren ein enger, kritischer, streitbarer und hoch innovativer Begleiter, Förderer und Freund unserer Branche - der Entsorgungs- und Kreislaufwirtschaft. Wir danken Ihnen für Ihr nachhaltiges Engagement für Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz und wünschen Ihnen für die Zukunft alles erdenklich Gute!

 

Peter Kurth
Geschäftsführender Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e.V. (BDE)

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